Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Ehrengäste, lieber Mitbürger,
Nein – diese Begrüßungsfloskel hätte Ludwig Fels – zumindest der Ludwig Fels, den ich aus seinen Texten kenne, – sicher nicht gefallen. Also wie steigt man in eine Laudatio oder Festrede ein, wenn man den Menschen, um den es geht, nicht persönlich kannte? Schwierig. Also lassen wir das.
Schön, dass Sie alle da sind und Ludwig Fels die Ehre erbieten…
Es freut uns besonders, dass Rosy Fels nach Treuchtlingen gekommen ist und auch Bildhauer Christian Rösner, der Ludwig Fels nun in Treuchtlingen bleibend sichtbar macht.
Alles das, was Ludwig Fels literarisch hinterlassen hat, schafft dem Unbekannten eine Art von Gefühl für ihn, vielleicht auch eine Verbundenheit oder Verständnis und in einer ganzen Reihe von Aspekten auch Sympathie. Ludwig Fels und Treuchtlingen – das war schon immer irgendwie sehr ambivalent. Und ich glaube, das wird wahrscheinlich auch so bleiben.
Trotzdem und gerade auch deswegen will die Stadt heute einem ihrer berühmtesten Söhne ein bleibendes Andenken setzen.
Was war es eigentlich, das Fels aus Treuchtlingen vertrieb? Was war das Treuchtlingen von Ludwig Fels? Eine Ansammlung von kriegsgeschädigten Häusern? Viele arme Menschen? Zerbombte Bahnanlagen und Straßen, wie Fels sie noch erlebte? War es eine Stadt, die sich in den 50ern und 60ern mit Schmerzen und vielleicht auch Scham ihre Geschichte bewusst machte – oder sie verdrängte?
Wie tickte das Gemeinwesen damals? Jedenfalls war es eine miefige Zeit, in die Fels hineingeworfen wurde. Und das Gemeinwesen war damals vielleicht tatsächlich „gemein“, zumindest den Schwachen gegenüber, den Außenseitern – wie Fels in seiner Jugend sicher einer war – den Underdogs. Viele flohen damals aus ländlichen Regionen in die großen Städte. Treuchtlingen ist sicher keine Ausnahme.
Treuchtlingen war damals sicher sehr kleinbürgerlich. Heute tickt die Stadt deutlich aufgeklärter, offener, lern- und diskussionsfähig.
Mit seinen Werken, die Ludwig Fels der Welt hinterließ, kratzte er aus seiner persönlichen Erfahrungswelt immer ein Stück seiner Seele aufs Papier – über Liebe, Leiden, Armut, Sterben und Exzesse und in einer brutalen Ehrlichkeit, mit Kraft, Wille und auch Zorn. Immer sprachgewaltig bis verstörend und nie schweigend.
Immer wieder taucht heute der Begriff Heimat im täglichen Leben auf. Fels haderte mit seiner „Heimat“, wobei der Begriff ja durchaus interpretierbar ist. Die Heimat kann auch einfach nur dort sein, wo man sich wohl fühlt. Insofern war Treuchtlingen wohl nie die Heimat von Ludwig Fels. Unsere Stadt ist sein Geburtsort. Und so geht es in die Geschichtsbücher ein.
Und deshalb erinnern wir heute in aller Ehre und auch künftig an einen großen Schriftsteller, der hier geboren ist, hier schwere Jahre durchlitt – und doch wohl erst dadurch zu dem geworden ist, was ihn berühmt machte.
Insofern bleibt der Name Ludwig Fels für immer mit Treuchtlingen verbunden. Entschuldigen kann sich eine Stadt nicht, das müssen die Bürger tun, die sich damals gemein und ausgrenzend verhielten. Eine Stadt bzw. die Vertreter dieser Stadt können nur erinnern und mahnen und genau das wollen wir mit der Benennung dieses Platzes und des dazugehörigen Kunstwerkes tun.
Vielen Dank der Hirschmann-Stiftung für die finanzielle Unterstützung, ohne die die Platzgestaltung so nicht möglich gewesen wäre, und der Ludwig-Fels-Gesellschaft für die ideelle Unterstützung.
Ich bitte nun Rosy Fels und Friedrich Engelhard von der Hirschmann-Stiftung, das Kunstwerk zu enthüllen und Christian Rösner, seine Intention zu dem Kunstwerk zu erklären.
Im Anschluss hören wir noch ein Gedicht, das Norbert Mattusch vorträgt.
Hubert Stanka, 3. Bgm
